GESCHICHTE GEMMRIGHEIMS

Wappen 
„In Silber aus grünem Dreiberg wachsend ein grüner Weinstock mehrfach gekrümmt und verschlungen mit grünen Ranken und Blättern und fünf blauen Trauben, das Ganze gehalten von einem schwarzen, auf dem Berg stehenden Rebstock.“ Die Entstehung des mit Worten beschriebenen Gemmrigheimer Gemeindewappens reicht weit zurück – ein erster Abdruck ist schon im Jahr 1525 nachweisbar. Als Vorlage für das heutige Gemeindewappen diente ein Siegelabdruck aus dem Jahr 1704 aus der Siegelsammlung des Hauptstaatsarchivs in Stuttgart.Allerdings wurden die genannten Farben erst 1924 festgelegt, nachdem das historische Wappen nur einfarbig gestaltet war. Die heute verwendete Form des Wappens geht auf einen Entwurf des Walheimer Wappenmalers Otto Dieterle aus dem Jahr 1931 zurück. Gemeindeflagge / Gemeindefarben Die Gemeindeflagge hat die Farben blau-weiß. Dies sind auch die offiziellen Gemeindefarben.

 

Zur Geschichte...
 
Etwa ab 500 nach Christi dürfte wohl die Gründungszeit der heutigen Gemeinde Gemmrigheim liegen, als die das Gebiet beherrschenden Franken die losen Gehöftsiedlungen der Alemannen zu Haufen- oder Gewanndörfer zusammenschlossen.
Die erste gesicherte Erwähnung von Gemmrigheim, damals als "Gamertincheim" bezeichnet, stammt vom 22.09.1085 im Schenkungsbuch des Klosters Reichenbach.
 
Nach einer ganzen Reihe von Güterbesitzern wird das vermutlich zur Grafschaft von Calw gehörende Dorf Gemmrigheim an Ritter Rugger von Stockheim übergeben, der 1231 das Patronatsrecht der Kirche dem Stift Backnang schenkt.
Unter dem Zeichen der geistlichen Herrschaft wurde der Augustinerstift in Backnang 150 Jahre nach dem Kloster Reichenbach zum wichtigsten Herren in Gemmrigheim.
 
Im Gefolge der Reformation kam Gemmrigheim Ende des 13. Jahrhunderts spätestens Anfang des 14. Jahrhunderts zur Grafschaft Württemberg. Gemmrigheim gehörte zum Amt Lauffen. Erster Schultheiß in Gemmrigheim war seit 1410 Hans Brimig.
 
Während der Amtszeit (1509 bis 1531) des Magister Conrad Dreer von Ofterdingen als Pfarrer in Gemmrigheim wurde die jetzige Kirche erbaut. Sie war 1526 fertig.
 
Nach der Zeit des Bauernkrieges 1525 konnte sich Gemmrigheim wirtschaftlich erholen und baute 1588 das Rathaus. Das 16. Jahrhundert endete für Gemmrigheim mit drei schweren Pestjahren und schlechten Erntejahren.
 
Bis zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges (1618) erlebte auch hier der Weinbau seine größte Ausdehnung und wurde zur Haupterwerbsquelle der Bürger.
 
In Gemmrigheim wurden 62 Häuser und Großteile der Rebflächen im dreißigjährigen Krieg zerstört. Der Friedensschluss 1648 beendete zwar den Religionskrieg, aber nicht die lokalen, regionalen und nationalen Kämpfe.
 
Vom 17. ins 18. Jahrhundert erlebte Gemmrigheim den Pfälzischen und Spanischen Erbfolgekrieg. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts herrschte auch in Gemmrigheim wie in anderen Teilen Südwestdeutschlands Hunger, Not, Missernten, Krieg und ein hohes Bevölkerungswachstum. Allein zwischen 1700 und 1828 hatte sich die Bevölkerung auf 1012 Einwohner verdoppelt.
 
In der Regierungszeit König Wilhelms I. von Württemberg (1816 - 1864) wurde versucht die Verwaltung im Land, in den Städten und Gemeinden neu zu ordnen, das Selbstverwaltungsrecht wurde eingeführt. An der Spitze der Verwaltung stand der Schultheiß.
 
Die Notlage führte auch in Gemmrigheim zwischen 1829 und 1871 dazu, dass allein hier 196 Menschen (knapp 20 % der Bevölkerung in Gemmrigheim) auswanderten.
 
Nach der Revolution 1848 hielt die Industrialisierung in Gemmrigheim Einzug:
1865 kaufte der Fabrikant Albert Bezner die alte Neckarmühle, wandelte diese zunächst in eine Holzstoffabrik um, die wenig später zur Papierfabrik ausgebaut wurde.
 
Nach den Kriegen von 1866 und 1870/71, die der Bildung des Deutschen Reiches vorausgingen, gab es  in Gemmrigheim bis 1914 tiefgreifende Veränderungen. Insbesondere waren das der Ausbau der Papierfabrik, der Bau der Neckarbrücke zwischen Gemmrigheim und Kirchheim, der Anschluss an die Versorgung mit Wasser und Strom und schließlich die Gründung einer ganzen Reihe von Vereinen.
 
Mit Ausbruch des ersten Weltkrieges 1914 begann eine lange Kriegszeit mit Versorgungsengpässen und vielen Toten an den Fronten. Bis zum Ende des Krieges falle 71 Soldaten aus Gemmrigheim oder werden vermisst. Die Unruhe der Revolutionszeit begleitet von einer Grippeepidemie waren in Gemmrigheim noch bis 1919 zu verspüren.
 
Durch die Inflation 1923 und das Scheitern der großen Koalition des SPD - Reichskanzlers Müllers 1930 wird die hervorgerufene Weltwirtschaftskrise auch in Gemmrigheim spürbar: Die Papierfabrik fällt in eine tiefe Krise und wird von der Schweizer Papierfabrik Cham AG nach einem Vergleichsverfahren übernommen. Dies führt zu einer hohen Zahl von Arbeitslosen. Zur Unterstützung der Erwerbslosen führte die Gemeinde Baumaßnahmen aus, bspw. den Ausbau der Forststraße.
 
Allein im Jahr 1932 fanden 5 Wahlen in Gemmrigheim statt, welche die Politisierung der Bevölkerung demonstrierten.
Im Zuge der Kriegsvorbereitung der NS - Regierung wurden auch auf Gemmrigheimer Gemarkung bereits in den Jahren 1935/36 Bunker gebaut, Luftschutzräume eingerichtet und Sirenen installiert. Die gesamte Bevölkerung wurde einbezogen. Im Verlaufe der Kriegsjahre werden die zugeteilten Mengen immer geringer und bereits im September 1939 kamen die ersten Kriegsgefangenen aus Polen nach Gemmrigheim.
 
Nach Ende des Krieges im Frühjahr 1945 waren in Gemmrigheim 153 gefallene oder vermisste Soldaten, aber auch Verletzte und ein Toter zu beklagen. Das äußere Erscheinungsbild des Dorfes war trotz Luftangriffe auf die Papierfabrik vor größeren Schäden bewahrt geblieben. Am 9. April 1945 wurde die Neckarbrücke zwischen Gemmrigheim und Kirchheim von der Wehrmacht gesprengt, um den alliierten Vormarsch aufzuhalten. Am 20. April 1945, am letzten Geburtstag Adolf Hitlers, kam in Gemmrigheim mit der Besetzung durch die Amerikaner das Kriegsende.
Bis Ende 1946 wurden in Gemmrigheim über 500 Menschen aufgenommen, die meisten aus dem Sudetenland, viele auch aus Ungarn und dem heutigen Polen sowie wenige aus Russland, Jugoslawien und Rumänien.
Auftrieb erhielt der Wiederaufbau erst nach der Währungsreform 1948 und in den fünfziger Jahren. Kriegszerstörungen wurden beseitigt, neue Wohnungen und Arbeitsstätten in kürzester Zeit geschaffen. Symbol des Aufschwungs in Gemmrigheim wurde der Neubau der
 
Neckarbrücke nach Kirchheim und deren Einweihung am 11.11.1950.
 
Aufgrund einer hohen Geburtsrate und dem Zuzug aus dem Großraum Stuttgart stieg die Bevölkerungszahl bis Ende der sechziger Jahre auf rund 3450 Einwohner. Die Bautätigkeit boomte und Gemmrigheim vergrößerte sich bis zum Jahre 1963 mit den Neubaugebieten Hinterhof, Gassenweingärten, Unter der Hessigheimer Steige, der Waldstraße, der Lange Forst und dem ersten Wohngebiet auf dem Plappstein sowie etwas später das Gräble.
 
Auf den Ausbau des Neckarkanals folgte der industrielle Aufschwung in Gemmrigheim. Aber auch das örtliche Gewerbe entwickelte sich positiv. In den sechziger Jahren konnte das Industriegebiet Niedere Klinge geschaffen werden, wo sich neben kleineren Betrieben die Firmen Hammerl und Schweiker ansiedelten. 1972 wurde dann auf der Gemarkungsgrenze mit dem Bau des ersten Blockes des Gemeinschaftskernkraftwerkes Neckar (GKN) begonnen. 1976 erfolgte der Ausbau der Kreisstraße nach Besigheim, 1980 wurde die Ortsdurchfahrt fertiggestellt und 1981 konnte die Umgehungsstraße eingeweiht werden.
 
Seit den achziger Jahren beschäftigte man sich verstärkt mit der Sanierung des Gemmrigheimer Ortskernes u.a. auch mit der Sanierung des Rathauses. Mit Millionenaufwand wurden Straßen, Plätze sowie Feld- und Waldwege erneuert. Auch kommunalpolitisch machte Gemmrigheim im März 1994 auf sich aufmerksam: Bei der Bürgermeisterwahl wurde beim zweiten Wahlgang zum ersten Mal in der Geschichte von Gemmrigheim eine Bürgermeisterin gewählt.
 
Zusammen mit der Stadt Besigheim wurde der Flächennutzungsplan unserer Gemeinde aufgestellt. Des Weiteren konnte 1997 mit der Erschließung des neuen Baugebiets Neusatz/Scheidwegle begonnen werden. Mittlerweile sind die meisten der Bauplätze verkauft bzw. bebaut.
 
Im Jahr 2002 wurde Bürgermeisterin Monika Chef wiedergewählt.
 
Im Jahr 2003 hat Gemmrigheim als erste Gemeinde Deutschlands einen Kindergarten in Passivernergiebauweise fertiggestellt. Mittlerweile tummeln sich dort 75 Kinder, die sich pudelwohl fühlen.
 
Im Jahr 2005 stand der Umbau und die Sanierung des Rathauses an. Anfang 2006 konnten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die neu gestalteten Räume einziehen.
 
Im Sommer 2006 wurde mit der Sanierung des Schulhofes der Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule begonnen. Gleichzeitig wurde ein Pavillon errichtet, der 2 Klassenzimmer beinhaltet. Dieser Pavillon wurde nach den Sommerferien 2007 in Betrieb genommen. Während in einem der Zimmer eine Gruppe der Kernzeitenbetreuung ihren Platz gefunden hat, wird im anderen das Mittagessen von den Schülerinnen und Schülern eingenommen.
 
Ebenfalls im Jahr 2007 wurde die "Alte Schule" in Gemmrigheim abgebrochen. Diese neu entstandene Fläche in der Hofgasse wurde vom Architekturbüro Röser & Partner neu überplant. Mit den Arbeiten für die Platzgestaltung wurde im Jahr 2008 begonnen.
 
Ebenfalls stand 2008 der Umbau und die Sanierung des Bürgerhauses auf dem Programm. Das Bürgerhaus und die Bücherei erstrahlen seit Ende 2008 in neuem Glanz.
 
Im Jahr 2009 war das große „Wahl-Jahr“. Zusammen mit der Europawahl, Kreistagswahl und der Wahl der Regionalversammlung des Verbands Region Stuttgart wurde der aktuell amtierende Gemmrigheimer Gemeinderat gewählt. Die Sitzverteilung im Gemeinderat setzt sich seither wie folgt zusammen:
- 4 Sitze für die Freie Wählervereinigung Gemmrigheim (FWV)
- 4 Sitze für die Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)                                
- 3 Sitze für die Unabhängige Wählergemeinschaft Gemmrigheim(UWG)                
- 3 Sitze für die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
 
2009 – 2010 beschloss der Gemeinderat die Bebauungspläne „Neckar I“ und Neckar II“. Ziel und Zweck der Neuplanung war es unter anderem die planungsrechtlichen Voraussetzungen für den Neubau eines Feuerwehrgerätehauses mitBauhofund DRK-Räumlichkeiten und eine städtebauliche Entwicklung im Ortskern herbeizuführen.
 
Ende 2009 schlossen die Gemeinde Gemmrigheim und die Gemeinde Kirchheim am Neckar eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung über die Einrichtung, den Betrieb und die Unterhaltung einer gemeinsamen Werkrealschule. Bis dahin waren sowohl Gemmrigheim als auch Kirchheim Träger einer Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule. Bedingt durch die veränderten gesetzlichen Vorgaben und die rückläufigen Schülerzahlen haben sich beide Gemeinden mit Zustimmung des Gemeinderates dazu entschlossen, zum Beginn des Schuljahres 2010/2011 eine gemeinsame Werkrealschule am Standort Kirchheim zu betreiben.
 
Am 28. Februar 2010 fand die Bürgermeisterwahl statt. Zur Wahl haben sich 4 Kandidaten aufstellen lassen. Da im 1. Wahlgang keiner der 4 Kandidaten die notwendigen Stimmen erreicht hatte, fand am 14. März 2010 eine Neuwahl zwischen 3 Bewerbern statt. In diesem 2. Wahlgang erreichte die bisherige Amtsinhaberin Monika Chef die einfache Mehrheit und wurde somit auf weitere 8 Jahre wiedergewählt. 
 
Anfang 2011 wurde mit den Bauarbeiten für den Neubau eines Feuerwehrgerätehauses mit Bauhof und DRK-Räumlichkeiten begonnen. Das Bauvorhaben wird voraussichtlich Mitte 2012 fertig gestellt.
Im Rahmen des Fleckenfestes 2011 wurde am 16. Juli 2001 als Zeichen der Freundschaft zur griechischen Partnerstadt Trigono der neu geschaffene Trigonoplatz eingeweiht. Zu diesem besonderen Anlass besuchte eine Delegation aus Trigono-Ormenion die Gemeinde, um mit den Einwohnern gemeinsam zu feiern.
 
2011 konnte die Gemeindebücherei ihr 25. Jubiläum feiern. Am 07. Mai 1986 wurde – gleichzeitig mit der Einweihung des Bürgerhauses – die neue und modern eingerichtete Gemeindebücherei eröffnet.
 
Im Jahr 2014 war erneut das große „Wahl-Jahr“. Zusammen mit der Europawahl, Kreistagswahl und der Wahl der Regionalversammlung des Verbands Region Stuttgart wurde der aktuell amtierende Gemmrigheimer Gemeinderat gewählt.
Die Sitzverteilung im Gemeinderat setzt sich seither wie folgt zusammen:
- 4 Sitze für die Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)
- 4 Sitze für AKTIVES GEMMRIGHEIM                                
- 3 Sitze für die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)                
- 3 Sitze für die Freie Wählervereinigung Gemmrigheim (FWV)
 
Seit Beginn des Jahres 2015 wurde mit dem Bau des "Haus der Gesundheit" begonnen.